Burnout (soziale und psychologische Aspekte)


 

Es ging uns nie so gut wie heute.

 

Trotzdem empfinden viele es nicht so. Mit dem Wohlstand haben sich eine Menge neuer Anforderungen in unser Leben geschlichen.

 

Die persönliche Situation der meisten Menschen gibt ihnen viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten. Dadurch sind für den Einzelnen mehr Entscheidungen zu treffen.

 

Habe ich den richtigen Beruf, die richtige Arbeitsstelle? Habe ich den richtigen Partner? Hat mein Kind die richtige Schule, die richtige Förderung. Habe ich die richtige Wohnung, das richtige Auto, die richtige Reise gebucht, die richtigen Hobbys, den richtigen Handy - Vertrag?

 

Unsere "Hochleistungsgesellschaft" hat ihr Tempo enorm gesteigert.

 

Ständig werden wir (mit meist negativen) Nachrichten bombardiert:

Wirtschafts- und Finanzkrise, Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeit, sozialer Abstieg, Seuchen, Atomgefahr, Umweltzerstörung, Klimawandel, Mißachtung der Menschenrechte, Überbevölkerung (7 Milliarden), demografischer Wandel, Kriege, Weltuntergang 2012

 

Im Berufsleben hat sich das Tempo ständig erhöht. Es muss rationeller, vernetzter mit mehr persönlicher Kreativität und Verantwortung mehr Leistung erzielt werden.

 

Auch in der Familie und bei den persönlichen Ansprüchen an das Leben sind die Normen gestiegen.

 

Man will doch funktionieren, perfekt sein, keine Fehler machen. Der Anspruch der Druck an sich selbst steigt. Das bedeutet eine permanente Anhebung des Stresspegels.

 

Die Möglichkeit, etwas verkehrt zu machen und den eigenen, sowie fremden Ansprüchen gerecht zu werden, macht Angst. Unmerklich kann der Druck soweit steigen, dass das innere Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Es macht sich eine große Erschöpfung breit und setzt sich fest.

 

Oft wird diese Erschöpfung vor sich selbst und vor der Umwelt geleugnet. Dies verschärft das Problem. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, von denen man früher annahm, dass sie noch keine Depressionen haben, können diese unentdeckten Störungen die gesunde Entwicklung gravierend behindern (Schwermut, Ess - Störung).

 

Wir Erwachsenen müssen den Mut haben, genau hinzuschauen, wenn sich die genannten Symtome zeigen. Wir müssen uns und anderen zugestehen, dass wir nicht immer perfekt sein müssen. So finden wir vielleicht einen Weg uns zu öffnen und das Gespräch mit einem anderen Menschen zu finden und nach Lösungen zu suchen.

 

Der Wohlstand und unsere heutigen Möglichkeiten, die unsere Großeltern noch nicht hatten, sind ein Segen für uns. Viele Menschen finden (trotz der Hektik und dem Druck der heutigen Zeit) auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht auch heute ihr Ziel.

 

Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns ab und zu Fragen stellen, wie zum Beispiel:

Wann habe ich das letzte Mal so richtig inne gehalten?

(Kennen Sie den Sketch von Loriot mit dem Ehepaar - Sie zu Ihm: "Was machst Du?" Er: "Nichts" ...)

Wann habe ich das letzte Mal den Kindern oder Enkelkindern eine Geschichte vorgelesen oder ein Lied mit Ihnen gesungen?

Wann habe ich das letzte Mal einen ziellosen Spaziergang gemacht und einem fremden Menschen zugelächelt?

 

Versuchen wir es doch einmal, ein wenig mehr Leichtigkeit in unser Leben zu bringen.